Warum die Ga so berühmt für ihre Beerdigungen sind



Auf Reisen begegnet dir oft Unglaubliches, Atemberaubendes, Schönes, aber auch Skurriles, Exotisches oder Befremdliches und Unbekanntes.  Du tauchst ein in ein neues Land mit all seinen Eigenheiten und lernst Ansichten und Dinge kennen, von denen du niemals geglaubt hättest, dass es sie überhaupt gibt. 
Auch ich habe etwas kennen gelernt, von dem ich erst dachte, dass es unglaublicher nicht sein konnte. Bis ich mich mehr damit beschäftigte und so einen tieferen Einblick in die Kultur der Ga People bekam, als ich dachte.



Die Geschichte der Ga

Die Ga sind ethnische Völkergruppe, die zur Ga- Dangbe Gruppe des Kwa Volkes gehört. Einige Legenden besagen, dass die Ga aus Nigeria kamen, andere erzählen, dass sie ursprünglich zu Israel gehörten und über Uganda, den Kongo, Cameroon, Nigeria, Benin und Togo nach Accra kamen. Im 15. Jahrhundert gründeten sie die Stadt, die heute Hauptstadt des Landes ist. Heute gehören zu den Ga etwa 670.000 Menschen. 90% leben in Ghana, die anderen 10 % in Togo und Benin. Obwohl der Großteil dieser etnischen Völkergruppe in und um Accra lebt, macht sie nur ca 3% der ghanaischen Bevölkerung aus. (Wusstest du, dass auch ich bald Teil dieser ethnischen Minderheit sein werde, da mein Verlobter Ga ist und ich bei der traditionellen Hochzeit automatisch in dieser Völkergruppe aufgenommen werde?) Das liegt schlicht und einfach daran, dass Ghana ein Land ist, das über 100 verschiedene ethnische Gruppen beheimatet. 

Die Ethnie der Ga stand jahrhundertelang unter europäischem Einfluss. Mit den Europäern kamen, wie in vielen anderen Ländern auch, die Missionare. Dennoch haben sich die Ga ihre traditionellen Religionen bewahrt. Dazu gehört zum Beispiel die Verehrung der Ahnen. So kommt es, dass die Ga ihre eigenen, speziellen Vorstellungen vom Jenseits haben. Traditionell gesehen ist der Tod nicht das Ende, sondern das Leben geht einfach im jenseits weiter und weist große Parallelen zum irdischen Leben auf. Dadurch haben die Verstorbenen weiterhin Mitspracherecht, wenn es um das Schicksal der noch lebenden Familienmitglieder geht. Das mag nun dubios klingen, vor allem wenn du hörst, dass man den Ahnen eine Ziege oder ein Huhn opfert und ihnen Schnaps opfert, um sie milde zu stimmen. Zudem wirkt sich der gesellschaftliche Status der Verstorbenen auf ihr Ansehen aus- auch im Jenseits. Je größer und exclusiver die Bestattung ausfällt, desto höher ist das Ansehen. Aber nicht nur das. Es gibt keine andere Gesellschaft, die so berühmt ist für ihre Beerdigungen wie die Ga. 

Phantasiesärge der Ga



Die Ga sind heute wegen ihrer Sargkunst weltweit berühmt für Beerdigungen. Wenn du durch Teshie, ein Fischerdorf an der Küste Ghanas, fährst, wo auch wir wohnen, kommst du vorbei an einer Art Tischlerei, die nicht zu übersehen ist. Was auf den ersten Blick aussieht wie Karussellfiguren und auf den zweiten Blick befremdlich wirkt, ist ein wichtiger Teil der Ga Kultur geworden. 
Vor ca 50 Jahren fing in Teshie das an, was heute als Figur- und Farbspektakel gilt. Eine neue Begräbniskultur wurde etabliert. Die Gestaltung beruht auf einer ganz eigenen Symbolsprache. Hier werden Särge in Form von Adlern, Hühnern, TroTros, Fischen oder Löwen präzise genau und in handwerklicher Feinstarbeit hauptsächlich aus Wawa-Holz gefertigt und bemalt. Es gibt nichts, was es nicht gibt, auch wenn es noch so kurios klingen mag. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und oft symbolisieren die Farben und die Formen der Särge das Leben der Ga. Ein Fischer bekommt, wie könnte es anders sein, einen Fisch als Sarg, der in allen erdenklichen Farben leuchtet, während eine Schweinefleischverkäuferin aus Teshie in- du ahnst es- einem Sarg, der aussieht wie ein Schweinefuß, beerdigt wurde. 

Die Geschichte der bunten Särge


Laut der Ga gehen die bunten, ausgefallenen Särge auf Paa Joe zurück, der in Teshie geboren wurde. Mit 14 jahren fing er an für den Neffen seiner Mutter zu arbeiten und Särge in verschiedenen Formen herzustellen. Den ersten Phantasiesarg fertigte er im Jahr 1978 an. 5 Jahre nachdem er seine eigene Tischlerei eröffnet hatte. 

Heute sind die Phantasiesärge weltweit bekannt und werden in verschiedenen Ausstellungen der afrikanischen Gegenwartskunst in Europa und Amerika ausgestellt. Während die bunten Särge in der europäischen Welt eher als skurrile Erscheinung betrachtet werden und die Bedeutung dahinter nicht erfragt wird, stehen diese Kunstwerke in Ghana weiterhin für die Verbindung zwischen Unsichtbarem und Sichtbarem. 

Würdest du dich in einem der Särge von Paa Joe begraben lassen? Wie würde er aussehen und weshalb sollte er genau so aussehen? Oder wäre das überhaupt nichts für dich? Deine Meinung interessiert mich. Erzähle sie mir gerne in einem Kommentar. 

Kommentare

  1. das würde ich sofort. unsere westliche begräbniskultur ist so deprimierend. und sterben tut man hier wie dort am ende. wieso nicht in einem ga-computer begraben werden?

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    1. Stimmt.
      Ich finde die Begräbniskultur der ga wirklich spannend, vor allem, wie sie mit dem Tod umgehen. Mit der Begräbniskultur hier kann man das aber eben gar nicht vergleichen.

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  2. Hallo Wibke,
    spannende und skurrile Geschichte. Also ein Schweinefuß als Sarg sollte es vielleicht nicht sein. Nicht so einfach! Ich würde mir vielleicht ein Boot schnitzen lassen für die vielen Reisen, die ich mache. Ich habe darüber mal irgendwann im Fernsehen gesehen. Ist schon lange her.

    Liebe Grüße
    Renate

    PS: Ich liebe ungewöhnliche Geschichten!

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    1. Ein Boot würde wirklich zu dir passen. Damit assoziiert man ja schon das Reisen.
      Ab und an berichten sie im TV darüber. Aber es ist natürlich noch viel interessanter und skurriler, das Ganze einmal vor Ort zu sehen.

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  3. Ha, spannende Sache :D Gefällt mir. Ich würde gerne noch viel mehr Bilder von den Särgen sehen (den Schweinefußsarg zum Beispiel - den kann ich mir gar nicht vorstellen :D ). Ich würde wohl in einem überdimensionierten Buch enden ;) Schön Vorstellung

    Muss mal schauen, ob ich bei Dir noch mehr Artikel über die Religion der Ga finde. Interessiere mich immer sehr für so indigene Kulturen. :)

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    1. Ein überdimensionales Buch ist auch interessant.
      Die Möglichkeiten sind da ja schier unendlich.

      Es freut mich, dass dir der Artikel gefällt. In nächster Zeit kommt noch mehr über die Religion der Ga online. Ich selbst interessiere mich auch für indigene Kulturen, da passt das natürlich ganz gut rein.

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  4. Wau, zu gern möchte ich solch ein Sarg für mich haben.
    Zu mir passt der Fisch, da ich Fliegenfischerin bin oder die Meerjungfrau.
    Allerdings bin ich auch die Mutter aller Kinder!

    Über Ideen oder hinweise ob es möglich ist solch ein Sarg zu erhalten,
    würde ich mich sehr freuen.

    H. noeme F.

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    1. Hi Anonym. Wir können Dir helfen setze Dich mit uns in Verbindung www.makeba.de

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    2. Hallo Anonym, Fliegenfischerin klingt spannend, da es etwas ist, das nicht jeder macht oder kann und es so etwas besonderes ist. Das passt dann natürlich perfekt zu den Särgen der Ga.

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  5. Wir beschäftigen uns schon seit 2000 mit diesen Särgen. Bei unseren AFRIKA - Ausstellungen haben wir immer einen in Teshie gefertigten Sarg dabei. www.makeba.de
    http://www.sachsen-fernsehen.de/Aktuell/Chemnitz/Artikel/1359505/Afrikanische-Kunst-in-Chemnitz/?source=canonical
    Im übrigen geht diese Sargkunst auf die 50er Jahre zurück.Das Verwenden solcher Särge hängt eng mit der Religion und den Jenseitsvorstellungen der Ga zusammen, einem Stamm der im Süden und der Region Accra lebt. Die Särge sind nur am Beerdigungstag sichtbar und kommen mit den Toten ins Grab. Die Sarggestaltung dient weniger einem dekorativen Zweck, sie ist vielmehr von Symbolen vorbestimmt. Figurensärge beziehen sich oft auf den Beruf des Verstorbenen und sollen ihm helfen, im Jenseits seiner irdischen Tätigkeit weiter nachzugehen.

    Seth Kane Kwei, der auch als Pionier der Ghanaischen Sargkunst gilt, baute einer Legende zu Folge für seine verstorbene Großmutter ein Flugzeug als Sarg. Er wollte ihr damit den Traum ihres Lebens, einmal im Flugzeug zu sitzen, im Jenseits verwirklichen.

    Eric Adjetey Anang ist der Enkel und hat den von uns ausgestellten Sarg gefertigt.

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    1. Hallo Jürgen,

      danke für den weiterführenden Einblick. Da mein Mann Ga ist und wir bei Teshie wohnen kenne ich mich mit der Religion und Kultur der Ga aus und weiß auch um die Hintergründe und Bedeutungen. Ich finde es immer wieder interessant zu sehen, was da für Särge verwendet werden und welche Bedeutung sie haben.

      Interessant auch, dass ihr bei euren Afrika-Ausstellungen immer einen in Teshie gefertigten Sarg dabei habt. Schade nur, dass die Ausstellungen so weit weg sind. Ein Besuch wäre für mich sicher spannend.

      Viele Grüße

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    2. Hi Wibke. Falls Du schon auf unserer Seite warst, hast Du sicherlich unseren Sarg gesehen. Allerdings wollte ich "star" und nicht "club" darauf haben. lol

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  6. Hallo :)
    Ich habe mal eine Frage für den Religionsunterricht.
    Gibt es einen extra Friedhof für die bunten Särgen und sind die in einem Dorf/Stadt oder eher außerhalb?
    Gehört der Stamm zum Judentum, Islam, Christentum, ...
    Viele Grüße

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    1. Hallo,

      einen extra Friedhof gibt es für die bunten Särge nicht.Die meisten finden sich in Teshie bzw Nungua in Accra, da sie dort von den Ga auch hergestellt werden, aber grundsätzlich sieht man sie auch in anderen Teilen des Landes und mittlerweile sind die bunten Särge schon weltberühmt.
      Die Ga gehören zum größten Teil Christentum. Die Särge werden aber nicht nur von Christen verwendet, sondern auch von Zugehörigen der anderen Religionen, denn für sie hat das eher weniger mit der Religion zu tun. Die Särge werden ja hauptsächlich in der Form gefertigt, die zum Verstorbenen passt: ein Fischer wird z.B in einem Sarg, der aussieht wie ein Fisch, begraben. Mit Religion hat das dann eigentlich nichts zu tun.

      Viele Grüße

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