Wie aus 14 Wochen für immer wurde



Hätte mir vorher jemand gesagt, wie der 24.07.2008 mein Leben verändern würde, ich hätte kein Wort davon geglaubt und denjenigen für verrückt erklärt. 
Als ich damals ins Flugzeug nach Ghana stieg war das schon der erste Schritt, der alles ins Rollen brachte. Auch wenn ich das zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wusste. 


2008 steckte ich mitten in meinem Grundschulpädagogik- Studium. Meine Fächerkombination mit Englisch war ganz gut und ich bekam die Möglichkeit, längere Zeit ins Ausland zu gehen. Perfekter hätte der Zeitpunkt nicht sein können. Ich musste raus aus meinem gewohnten Umfeld, hatte das Gefühl, es kann nicht alles gewesen sein, zu studieren und gut ist und ich brauchte den Abstand. Zu der Stadt, in der ich studiert habe und auch zu den Menschen, die mit dieser Stadt- und somit auch mit mir- verknüpft waren. Das war auch die Zeit, in der sich viele Freunde auf und davon gemacht haben. Ganz hoch oben auf der Liste stand bei den Meisten "Backpacking in Neuseeland oder Australien". Etwas, das zu der Zeit einfach fast jeder machte. Für mich war das allerdings nichts und es war von Anfang an klar, es soll etwas exotischeres sein. Warum immer das machen, was die anderen machen, wenn es noch so viel anderes zu entdecken gibt?
Dass es Afrika werden würde stand außer Frage. Ghana wurde es, nicht weil ich schon so viel über das Land gehört hatte, sondern einfach, da es eines der sichersten Länder Afrikas ist und die politische Lage dort als stabil gilt.

Am Flughafen noch erschien mir Ghana unendlich weit weg. Während der Zwischenlandung in Nigeria, bei der ich freie Sicht auf ein brennendes Flugzeug hatte, das am Rande der Rollbahn zu sehen war, dachte ich nur "Was hast du dir da wieder eingebrockt?" Es gab kein Zurück und als ich noch nicht richtig aus dem Flugzeug draußen war, verschwendete ich keinen Gedanken mehr an die Zweifel, die ich noch im Flugzeug hatte. Ich wusste, ich war angekommen. Angekommen da, wo ich hingehöre. Mein Leben war perfekt. Meine Tage bestanden aus Strand, in der Schule arbeiten, mit den Kindern spielen und das Land erkunden. Deutschland und alles, was damit verknüpft war, war weit weg. 
Nachdem die 14 Wochen zu Ende waren wäre ich am Liebsten dort geblieben. Ghana und seine Menschen waren für mich Heimat geworden und es war klar ich komme wieder. Manchmal muss man gehen, um zurück kommen zu können. So kam ich wieder. Und wieder. Und wieder. Als ich bei einem meiner nächsten "Heimatbesuche" noch Marcus kennen lernte war endgültig klar, dass ich mit dem Land mehr verwurzelt bin, als ich es je gedacht hätte. Wir genießen die Monate zusammen dort und ich pendle zwischen Deutschland und Accra hin und her. Wir haben Pläne geschmiedet, sie wieder umgeworfen und neue Pläne geschmiedet. Das Leben bescherte uns Höhen und Tiefen, wie es eben immer ist. Dennoch möchte ich Ghana und die Menschen dort, meine Freunde und Famile nicht missen. Ich habe gelernt, mich selbst zu finden. Die Freiheit zu finden, die ich brauche und nach der ich vielleicht unbewusst gesucht hatte- und sie zu nutzen. Zuhause ist da, wo deine Freunde sind. Wenn ich eines gelernt habe, dann, dass Pläne schmieden zwar schön ist, dass es aber immer anders kommt, als man denkt. Vor allem in Afrika. Mein Leben hat in diesen Jahren, besonders in den letzten 3 1/2, eine Richtung eingeschlagen, von der ich früher nicht gewagt hätte zu träumen. 
So wurden aus 14 Wochen für immer. 

Hast du auch eine Geschichte zu erzählen, bei der aus Tagen oder Wochen ein "für immer" wurde? Dann ab damit in die Kommentare. 

Kommentare

  1. Solche Tage gibt es. Die einfach das Leben für immer verändern können. Es ist faszinierend, den Anfang der Geschichte zu hören - und zeigt mal wieder, dass man hin und wieder einfach etwas wagen und sich ins Unbekannte hineinstürzen soll. Sonst kommen nie solche tolle Dinge heraus, wie bei dir.
    Und klar kommt es immer anders, als man Denkt. Ist ein inoffizielles Gesetz. Ist aber wahrscheinlich auch besser so. Zumindest wenn ich mir deinen Blog ansehe.
    Ich weiss, dieser Post ist schon etwas älter, aber das musste ich unbedingt loswerden. Dein Blog ist faszinierend. Deine ganze Geschichte ist es!

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  2. Sehr schöner Beitrag. Folge deinem Herzen.

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