Reisen heißt Leben lernen


Unserer Welt ist voll von kleinen Freuden. Die Kunst besteht aber darin, sie zu sehen und ein Auge dafür zu haben. Seit meiner ersten Reise nach Ghana 2008 schätze ich diese Kleinigkeiten viel mehr und mit jeder Reise, die Ghana zum Ziel hat, wird mir das bewusster und ich lebe sie intensiver. Da sind die für uns alltäglichen Dinge wie Strom, Wasser, ein Dach über dem Kopf. Da sind aber auch noch viel wichtigere Dinge wie Respekt, Familie, Freunde, ein nettes Gespräch und der Blick in strahlende Kinderaugen.

Viele fragen mich immer wieder, warum machst du das eigentlich. Warum gehst du in ein Land wie Ghana, in dem es nur dreckig ist, es keinen Strom, kein Wasser gibt und die Menschen arm sind? Warum steckst du so viel in dieses Land, in dem es doch nichts gibt und gründest dann auch noch eine NGO? 
Die Antwort ist einfach. Weil Ghana für mich mehr ist als ein Land, in dem es keinen Luxus gibt.
Anfangs war es einfach nur der Reiz des Unbekannten. Ich wollte sehen, ob ich mich in einer fremden Kultur einfügen kann. Afrika sollte es sein, da mich der Kontinent schon immer faszinierte. Ghana wurde es, weil ich in meinem Leben etwas sinnvolles tun wollte und das Land durch die politische Stabilität gut geeignet schien. Dass "einfach mal so helfen und wieder gehen" nicht viel bringt- mir nicht und den Menschen in Ghana auch nicht, realisierte ich erst später während weiterer Reisen in dieses faszinierende Land. Ghana wurde meine zweite Heimat und nach 6 Jahren fühle ich mich eher als Ghanaerin statt als Deutsche. Ich bin nicht mit dem Gedanken nach Ghana gegangen, eine Hilfsorganisation zu gründen. Durch die Erfahrungen, die ich dort während all meiner Reisen machen konnte, ergab sich das und lag nahe. Ich hatte die Möglichkeit, in Schulen und Kindergärten zu arbeiten und habe so viele Menschen kennen gelernt, die ein Leben zwischen Armut und Hoffnung führen. Ich habe schöne und traurige Momente erlebt und bin immer noch dankbar für jede einzelne Minute, die ich mit den Menschen dort verbringen durfte. Sie alle haben mir einen Blick in ihr Leben gewährt. Etwas, das nicht selbstverständlich ist. Etwas, aus dem das geworden ist, das heute Amebii Ghana e.V. ist. Ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt. 
Viele fragen mich auch, ob ich für die Arbeit dort bezahlt werde. Wenn ich verneine, heißt es automatisch "dann lohnt sich der ganze Aufwand doch gar nicht, wenn du nichts dafür bekommst." Unwillkürlich muss ich jedes Mal darüber lächeln, denn ich bekomme viel mehr zurück, als man sich vorstellen kann. Die lachenden Kinderaugen und die strahlenden Gesichter, wenn sie neue Schulsachen von uns bekommen, wenn ein Kindergarten oder eine Schule fertig ist, in deren Gebäuden die Kinder endlich richtig unterrichtet werden können und die aufrichtige Ehrlichkeit und Freude darüber bedeuten mir mehr, als es etwas anderes könnte. Das, was ich mache, mache ich nicht, um dafür bezahlt zu werden, sondern aus Überzeugung. Die ehrliche und liebevolle Höflichkeit der Ghanaer, gemischt mit einer unbändigen Lebensfreude sind für mich Grund genug, weiter zu helfen und weitere Projekte zu realisieren. 

Die Armut in Ghana durch Bildung zu reduzieren ist ein schwieriges Unterfangen und eine große Aufgabe, aber es ist nicht unmöglich. Mein Traum ist es, dass wir irgendwann einmal nicht mehr gebraucht werden und dass alle Kinder zur Schule gehen können. Noch ist er in weiter Ferne, aber vielleicht wird er eines Tages doch wahr. 

Kinder sind das Wichtigste auf unserer Welt und sie unsere Zukunft. Egal, auf welchem Fleckchen der Erde sie leben. Und Bildung ist der Schlüssel zu einer selbstbestimmten, guten Zukunft. All die Kinder und Menschen in Ghana sind meine Familie geworden und liegen mir sehr am Herzen. Ich werde sie nicht im Stich lassen und alles mir mögliche versuchen, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern und ihnen eine glückliche und gute Kindheit zu ermöglichen. Helft auch ihr zu helfen. 


Kommentare

  1. Du machst das perfekt. Angefangen bei allgemeingültigen Aussagen (die Welt ist tatsächlich voller kleinen Freuden!) entführst du uns mal wieder mit einer absoluten Genialität in deine Welt. Kombiniert mit deinen weisen Worten kann man gar nicht anders, als diesen Post zu mögen. Aber das ist ja bei Dir immer so! :)
    Ich finde es richtig toll, mal etwas aus dem Hintergrund zu erfahren - wie du überhaupt nach Ghana gekommen bist, was dich hergeführt hat und wieso es nicht bei einer einzigen Reise geblieben ist. Deine Motivation und deine Gründe sind richtig faszinierend, vorallem die Tatsache, dass du eine Vision hast und an ihr festhältst. Ich meine, viele hätten eigentlich nichts gegen eine Veränderung, aber nur wenige setzen sich so bestimmt dafür ein wie Du.
    Und Du hebst dich nicht ab oder kommst "um zu helfen, weil du es besser weisst/kannst", sondern Du bist sowohl mit dem Herzen, wie auch mit dem Kopf dabei. Das finde ich wunderschön!
    Und was Kinder angeht: ich muss ehrlich zugeben, ich habe für sie absolut keine Geduld. Vorallem wenn sie älter werden und in die "ich protestiere gegen sie alle!"-Phase kommen. Aber sie sind tatsächlich diejenigen, die unsere Zukunft ausmachen - und deshalb sind Bildung und die Möglichkeit, sich seine eigene Meinung bilden zu können so unglaublich wichtig. Eigentlich sollte dies selbstverständlich sein. Ist es aber leider nicht.
    Doch solange es menschen wie dich gibt, die daran glauben, dass eines Tages es auch in der Praxis selbstverständlich sein wird, ist die Hoffnung nicht verloren. Danke dafür!
    Ich habe leider keine Ostereier, dafür schicke ich dir ein Marmeladenglas mit Optimismus - obwohl du davon bereits mehr hast, als halb Deutschland zusammen :)

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  2. Wundervoller Text. Ich kann dich Stückweise sehr gut verstehen und nachvollziehen.
    Dieses "Da lohnt sich der Aufwand doch gar nicht" ist so typisch deutsch und so typisch Mensch! Alle sind nur darauf aus etwas für ihre Leistung zu bekommen. Alle wollen etwas haben, aber kaum einer ist bereit aus freien Stücken, ohne etwas als Gegenzug zu bekommen zu geben.
    Lieben Gruß ♥

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    1. Danke für dein liebes Kommentar.
      Du hast recht, dieses "es lohnt sich doch gar nicht" ist wirklich so typisch Deutsch und typisch Mensch. Das macht es auch umso schwieriger, aber auch spannender, da man eben die Menschen finden muss, die sich für die gleiche Sache begeistern können, ohne etwas als Gegenleistung dafür zu bekommen.
      Liebe Grüße

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  3. Das hast du wirklich alles wunderschön ausgedrückt. Allerdings frage ich mich, was für herzlose Menschen es sind, die sagen "Du wirst dafür nicht bezahlt, was bringt es dir dann?". Ich finde es wundervoll von dir, dass du das für die Menschen tust. Geld ist nur materiell, wie du sagst, es sind die kleinen Dinge die glücklich machen und du hilfst den Menschen und ich wünsche dir viel Glück bei der weiteren Arbeit, ich finde es wirklich toll! Ich bin auch schon länger am überlegen nach meinem Abitur ein Auslandsjahr zu verbringen entweder in Afrika oder Südamerika. Am liebsten würde ich an einer Schule - wie denen wo du bist - Englisch unterrichten oder ähnliches.
    Liebste Grüße :)

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