Von Backpackern und anderen Reisenden - Welcher Reisetyp bist du wirklich?

Als ReisebloggerInnen sind wir immer öfter der Frage ausgesetzt, welcher Reisetyp wir eigentlich sind.
Sind wir Weltentdecker, Budgetpacker, Flashpacker, Sehnsuchtsreisende, Lifestylereisende, Slackpacker oder gar nichts davon? Sind wir Individualreisende oder einfach Menschen, die die Welt sehen, ihren Horizont erweitern wollen und die nicht in eine Schublade gesteckt werden wollen? Ist es überhaupt nötig, die Reisenden von heute, also uns, in vorgefertigte Kategorien zu stecken? Kann nicht jeder und jede so reisen, wie er oder sie möchte, ohne dass die Person diesen oder jenen Stempel aufgedrückt bekommt?


Venedig-im-Regen


Durchforstet man das world wide web finden sich die verschiedensten Definitionen von Reisetypen. Eines jedoch haben all die Backpacker, die Weltentdecker und Flashpacker gemeinsam. Die Motivation, die hinter den Reisen steckt. War es früher noch so, dass Reisen nur einigen wenigen privilegierten Personen vorbehalten war ist es heute so, dass jede und jeder verreisen kann. Etwas überspitzt ausgedrückt wurde das damit einhergehende Reisephänomen schon von Theodor Fontane, der einst sagte, dass das Massenreisen zu den Eigentümlichkeiten unserer zeit gehöre, da sonst nur bevorzugte Individuen reisten und jetzt jeder das Privileg dazu hat. Schon zu Zeiten Theodor Fontanes gab es die gleichen Reisemotivationen wie heute noch. Die einen reisen der physischen Motivation wegen, andere der psychischen und wieder andere der kulturellen Motivation wegen. Gemeinsam haben sie dennoch alle das eine: Sie reisen. Ob du nun mit dem Rucksack auf dem Rücken durch Indien oder Südamerika reist, du mit kleinem Gepäck um die Welt jetsettest oder du Pauschalurlaub machst, all das spielt letztendlich keine Rolle. So lange es die für dich beste Art zu reisen ist, ist die Umsetzung nebensächlich. 

Unterscheidungen


Gerade habe ich dir gesagt, dass es völlig egal ist,ob du nun Backpacker, Slackpacker oder Soloreisender bist, so lange es die für dich richtige Form des Reisens ist. Dennoch gibt es auch hier einige Unterscheidungen, die ausschlaggebend dafür sind, wie deine Reise aussieht. 

Meistens wird in Budget und Reisemotivation kategorisiert. Was das Reisebudget betrifft, das du für deine Reise zur Verfügung hast, klingt es noch ganz plausibel, verschiedene Kategorien aufzustellen. 
Da sind zum einen die Budgetpacker, die ein bestimmtes Budget zur Verfügen haben, das sie meist voll ausschöpfen. Ihnen ist wichtig, längere zeit reisen zu können. Anders als Backpacker, die auch mal etwas mehr Geld ausgeben und dafür vielleicht statt einem halben Jahr nur zwei Monate unterwegs sind. Die meisten Budgetpacker sind übrigens Weltreisende. Anders wäre eine Reise um den Globus vermutlich auch nicht wirklich machbar. 
Neben diesen Menschen gibt es noch die Flashpacker. Flashpacker geben mehr Geld auf ihren Reisen aus als die zuvor genannten Budgetpacker und legen Wert auf Qualität und Quantität. Flashpacker könnte man also als Individualreisende bezeichnen, die sich zwar auch aus ihrer Komfortzone heraus bewegen und ihre Grenzen verschieben, die langsam reisen und auch ein bisschen Luxus brauchen, da sie dem Gemeinschaftsschlafraum im Hostel wohl eher eine komfortablere Unterkunft vorziehen würden. 
Und dann gibt es auch noch die Menschen, die auf Reisen einen Mix aus den oben genannten Kategorien sind. Zwar mögen sie vielleicht nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung haben, meiden dennoch die Doorms in den Hostels und gönnen sich zum Beispiel auch mal ein etwas teureres Abendessen und eine Fahrt mit dem Taxi statt mit dem Bus, der eine halbe Ewigkeit braucht, bis er am Zielort angekommen ist. 

Mailander-Dom

Eine weitere Unterscheidung, die etwas über deine Art zu reisen aussagt, ist die Motivation, die hinter deiner Reise steckt. Die Hintergründe, warum du auf Reisen gehst sozusagen. Auch hier wird oft differenziert zwischen den Reisenden, die einfach nur Party machen wollen, denen, die ihren Horizont erweitern und neue Kulturen kennen lernen möchten und den Reisenden, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als es sich am Strand in der Sonne gut gehen zu lassen. Hinter jeder Reise steckt eine ganz eigene Motivation, die jeder und jede für sich selbst heraus finden muss. So entstehen dann noch weitere Begriffe. Begriffe wie Sinnsuchende, Langzeitreisende, Nomaden, Abenteurer oder schlicht einfach Globetrotter. All diese Begriffe haben wiederum ihre ganz eigenen Definitionen. Definitionen, die jeder aber auch individuell für sich selbst verstehen kann. So kann es passieren, dass du schon fast automatisch in die Schublade der Langzeitreisenden gesteckt wirst, wenn du erzählst, dass du seit sieben Monaten die Welt entdeckst. Dass du aber gleichzeitig auch Abenteurer sein kannst und vielleicht noch dazu auf der Suche nach etwas sein kannst, wird dabei oft nicht bedacht. 

Gedankenkonfetti


Ist es nicht eigentlich so, dass wir alle eigentlich eine Mischung aus all den oben genannten Kategorien sind? Dass wir uns womöglich von gesellschaftlichen Normen freisetzen möchten und unsere Grenzen neu definieren möchten, wenn wir auf Reisen gehen? Oder ist das alles nur Wunschdenken und wir rennen munter von einer Schublade zur nächsten, springen zwischen ihnen hin und her, hinterlassen abseits der Schubladen mal hier, mal dort unsere Fußspuren, nur um dann wieder bei Schublade X zu landen und uns in vorgefertigte Kategorien zwängen zu lassen, die - zumindest für mich - gar nicht so klar definiert sind, wie es im ersten Moment den Anschein macht? 

All diese verschiedenen Kategorien, die ich dir gerade genannt habe, sind im Grunde nur simple Unterkategorien des großen Überbegriffs Backpacker. Backpacker bezeichnet im Grunde doch uns alle, die wir individuell verreisen, flexibel unterwegs sind, einen Plan auch mal verwerfen, wenn sich eine andere Möglichkeit auftut oder sich die Gelegenheit dazu bietet und auch gerne andere Reisende, andere Backpacker, kennen lernen. Dabei ist es völlig egal, ob wir nun tatsächlich einen Rucksack auf dem Rücken tragen oder ob wir eben mit Koffer und Tasche die Welt erkunden. 


Wo stehe ich nun eigentlich bei diesem ganzen Reisetypenkonfetti? Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht und müsste ich auf diese Frage tatsächlich eine Antwort geben, würde es diese hier sein: Ich gehe auf Reisen, um Neues zu lernen, die Welt zu entdecken, die Freiheit auf Reisen zu genießen und den Tag so zu gestalten, wie ich möchte und nicht, um zu sagen ich bin Langzeitreisende, Backpackerin oder Flashpackerin. Ich reise des Reisens wegen und nicht wegen irgendwelcher Schubladen, in die wir menschen andere gerne hineinstopfen oder um in das ein oder andere Klischee hinein zu passen. 

Was bleibt ist dennoch die Frage, welcher Reisetyp du eigentlich bist. Genau diese Frage stellt auch Thomas in seiner Blogparade Reisetypen

Was ist deine ganz eigene Definition von dir und deiner Art zu reisen? Macht es dich glücklich, so zu reisen, wie du es tust oder würdest du gerne auf eine andere Art reisen? Gibt es überhaupt die perfekte Art zu reisen? 

Kommentare

  1. Hallo Wibke,

    Danke für diesen tollen Beitrag zu unserer Blogparade. Am besten gefällt mir der Begriff "Reisetypenkonfetti" - sehr schön.

    Und Du hast Recht, so lange man aus den von Dir genannten Gründen reist ist der Begriff bzw. die Schublade total egal. Das Erlebnis Reise steht einfach im Vordergrund.

    LG Thomas

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    1. Hallo Thomas,

      es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt.
      Den Begriff "Reisetypenkonfetti" fand ich einfach passend für die ganze Diskussion darüber, welcher Reisetyp man nun ist oder eben nicht ist.

      Danke auch euch nochmal für die tolle Blogparade.
      LG Wibke

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  2. Mach bitte ein Reiselexikon mit einer Spezialausgabe zu Ghana, ja? Danke!
    Ich glaube, der Reisetyp variert auch, je nach der Reisebegleitung. Mit manchen ist man eher der "faul am Strand rumliegen" Typ, weil man halt eben Kompromisse schliessen muss und alleine wiederum der abenteuerliche Globetrotter. Toll mal alle Begriffe auf einen Haufen zu haben!
    Und weisst du was noch tolliger ist? Ein paar richtige Bilder von dir selbst zu sehen! Mag ich, lieb ich, vergöttere ich!

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    1. Hey Liebes, ich werde über eine solche Spezialausgabe nachdenken. Zumindest würde die dann immerhin eine lesen (=

      Stimmt, jetzt wo du es sagst. Der Reisetyp variiert wohl auch wirklich je nach Reisebegleitung, falls man denn eine hat.

      Ich musste ja wirklich grinsen, als ich deinen letzen Satz gelesen habe. Dabei hatte ich erst andere Bilder und dann beschlossen, für den Artikel eben doch welche zu nehmen, auf denen ich drauf bin. Eigentlich mag ich das ja nicht so, fand es für die Reisetypen aber doch irgendwie passend. Danke dir auf jeden Fall für deine lieben Worte und ein paar Sonnenstrahlen von mir für dich ;)

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  3. Hallo,
    Ich finde deinen Blogartikel sehr ansprechend, da er auf viele Situationen im Leben übertragbar ist. Wir stecken Menschen gerne in Schubladen, um uns so das Leben zu erleichtern. Der mag dieses und jenes, also ist er so und so. Dieses klischeehafte Denken vereinfacht den Alltag, da kein tiefgründiges Nachdenken gefordert ist. Aber dadurch nimmt man sich auch selbst viele Chancen, einen Menschen kennen zu lernen – mit all seinen Facetten. Auch als Reisende haben wir viele Seiten. Mal suchen wir mehr nach Abenteuer, mal nach Erholung. Eine genaue Kategorisierung ist nicht möglich, da Motivation und Reiseart ineinander überfließen.

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    1. Freut mich, dass dir der Artikel gefällt, Selina.
      Stimmt, durch das Schubladen- und Klischeedenken denken die meisten nicht mehr viel über etwas nach. Es ist einfach so. Hinterfragt wird dann nicht und stattdessen bekommt man dann eben einen Stempel aufgedrückt, der zu Schublade X oder Y gehört. Schade eigentlich.

      Du hast Recht, je mehr man darüber nachdenkt (nicht nur in Bezug auf vermeintliche Reisetypen), desto mehr wird im Grunde klar, dass eine Kategorisierung nicht möglich ist, da sich verschiedene Kategorien und Definitionen einfach überlappen und am Ende so ein kunterbuntes Gemisch heraus kommen würde anstatt eben Kategorie X.

      Danke dir für deinen Input und den Gedankengang dazu.

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  4. Hallo Wibke,

    durch deinen Beitrag bin ich erst auf die Blogparade aufmerksam geworden. Vielen Dank. Spannende Sache.

    Den Begriff Flashpacker kenne ich erst seit kurzer Zeit. Slackpacker war mir völlig neu. Wir gehören doch meistens zu mehreren Reisetypen. Das wechselt ständig, je nach Reiseform. Das Beste ist doch, dass Reisen heute nicht mehr auf wenige Gutverdienende beschränkt ist. Jede/r kann reisen. Die Reise ist vielleicht nach Geldbeutel und Interesse eine andere. Das muss aber nicht das Erleben einschränken.

    Lieben Gruß
    Renate

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    1. Schön gesagt,liebe Renate. Die Reise mag vielleicht für jeden eine andere sein, aber das Erleben muss es nicht einschränken und so wie du sehe ich es auch- das schöne an der ganzen Sache ist wirklich, dass heutzutage jeder verreisen kann und das reisen nicht mehr nur ein Privileg für eine Handvoll Menschen ist.

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  5. Ich bin über die Blogparade über deinen Blog gestolpert. Ich mag deinen Schreibstil und deine differenzierte Sichtweise.
    Ich glaube, den Begriff "Reisetypenkonfetti" werde ich mir bei Gelegenheit mal ausborgen. :)
    LG, Sissi

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    1. Danke dir, Sissi.
      Klar, den Begriff "Reisetypenkonfetti" darfst du dir gerne mal ausleihen.

      LG

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  6. Toller Beitrag - einer von denen, die mir bei dieser Blogparade am besten gefallen! :)

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    1. Oh wow, vielen Dank.
      Es freut mich, dass die der Beitrag so gut gefällt.

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Hier ist Platz für deine Sonnenstrahlen.

Ich freue mich über jeden einzelnen Sonnenstrahl von dir, der den Weg zu mir findet.